Sommer in Bernau
Musik im Korb
 

Das Bernauer Hussitenfest

1432 – Die Hussiten stehen vor Bernau1432 – Die Hussiten stehen vor Bernau, nehmen die Stadt aber nicht ein. Ein guter Grund für eine Dankprozession. Grafik: Utz Gennermann (Bild: 1/3)
Geschichtliches und Hintergründiges

Warum feiern die Bernauer eigentlich das Hussitenfest? Anlass ist die für Bernau zum Schluss glücklich ausgegangene Begegnung mit den Hussiten im April 1432. Aber was war damals geschehen?

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war die Welt in Aufruhr. Für Europa begann eine Umbruchphase. Auch die gespaltene katholische Kirche entsprach schon lange nicht mehr den religiösen Bedürfnissen breiter Schichten. König Sigismund (ab 1410 König, 1433-37 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs), wollte die Kirche einen und förderte das Zusammenkommen des Konzils von Konstanz (1414–1418).

In dieser Zeit lebte in Prag ein junger und sittenstrenger Geistlicher, Jan Hus. Er trat für eine Erneuerung der Kirche im urchristlichen Sinne ein. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen die „Verderbnis" des Papsttums und des Klerus. Der Konflikt mit kirchlichen Autoritäten war programmiert. Es folgten Predigtverbot, Exkommunizierung und Flucht aus Prag.

Als 1414 endlich das Konzil in Konstanz zusammentrat, reiste auch Hus mit einem Geleitbrief von König Sigismund dorthin. Es kam zum Eklat. Im November 1414 wurde er verhaftet und da er nicht widerrufen wollte, im Juli 1415 im Dom zu Konstanz vom Konzil verurteilt und noch am selben Tag verbrannt. An seinem Scheiterhaufen entzündete sich die Fackel der Hussitenkriege, die großes Leid über Böhmen und Deutschland bringen sollten.

Der erste Prager Fenstersturz 1419 war der Beginn. Die Aufständischen vertrieben ihre Gegner und gründeten freie Gemeinden. Alle Versuche des deutschen Königs und der römisch-katholischen Kirche, das „ketzerische" Böhmen militärisch zu besiegen, scheiterten. Nach dem dritten Kreuzzug im Jahr 1427 gegen Böhmen gingen die Hussiten zur Offensive über.

Nach der Niederlage der Kreuzfahrer 1431 bei Taus (Domažlice) war der deutsche König endlich zu Verhandlungen bereit. In Basel tagte ein neues Konzil, auf das die Hussiten Druck ausüben wollten. So gingen sie 1432 auf einen Feldzug gegen die Mark Brandenburg und gelangten auch nach Bernau.

Was aber nun genau vom 23. bis 27. April 1432 in und um Bernau geschah, lässt sich bis heute nicht sagen. Fest steht, dass ein Teil des hussitischen Heeres vor die Stadt gelangte. Eine kleinere Abteilung, wird (offenbar vergebens) versucht haben, Bernau „en passant" zu nehmen.
Für eine regelrechte Belagerung hatten die Hussiten weder genügend Zeit noch ausreichend Truppen. Ohne schweres Gerät war gegen das Bernauer Befestigungssystem nicht anzukommen. Die Bernauer andererseits standen hinter den festen Mauern. Ihre Kampfmoral muss hoch gewesen sein — verteidigten sie doch unmittelbar ihr Hab und Gut. Unter diesen Umständen werden die Hussiten schnell eingesehen haben, dass Bernau nicht einzunehmen war und zogen ab.

Über den Abzug der Hussiten waren die Bernauer mit Recht froh. Und so ist es verständlich, dass man Gott dankte und feierte. Die Form der Feiern hat sich über die Jahrhunderte verändert. Aus Dankprozessionen wurden Volksfeste, Festumzüge und Festspiele. Lange Pausen in der Tradition des Festes veränderten sein Gesicht und ließen es fast in Vergessenheit geraten.

1992 wurde es wiederbelebt. Mit vielen Freunden aus der tschechischen Republik feiern wir heute jedoch nicht den Sieg über die Hussiten, sondern die erfolgreiche Verhinderung der Zerstörung unserer Stadt.

Bernd Eccarius-Otto

 
 
 
 
 

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