Frühling am Gaskessel
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26. Februar 2018

Sonderausstellung zum Gedenken an Margit Schötschel

Margit Schötschel "Familie" – Bronzeplastik von Margit Schötschel

Eine Sonderausstellung zum Gedenken an die Bildhauerin Margit Schötschel wird
am kommenden Freitag, dem 2. März, 15 Uhr

im Beisein der Familie mit einer Feierstunde im Kunstraum Innenstadt, Alte Goethestraße 3 eröffnet. Alle Interessierten sind dazu eingeladen. Die Veranstaltung wird gemeinsam von der Stadt Bernau und dem Förderkreis Bildende Kunst Bernau e.V. organisiert.

 

Margit Schötschel, Bildhauerin und Begründerin der Kreativen Werkstatt Lobetal, ist am 21. August vergangenen Jahres 84-jährig in Biesenthal verstorben. Arbeiten von ihr sind im öffentlichen Raum in Berlin, Bernau, Biesenthal und Schwerin zu finden. Bernauer Stadtpark-Spaziergänger kennen die überlebensgroße Bronzeplastik „Paar“ (1983) am Elysiumteich hinter der Stadthalle. In Lobetal gehören ihre Tierplastiken „Reh“, „Dromeda“ und „Antilope“ zu den vertrautesten Bildern in der örtlichen Landschaft. Bewohner des Bernauer Puschkin-Viertels haben zu ihrer Figurengruppe „Familie“ (Bronze, 1977) über die Jahre ein besonderes Verhältnis aufgebaut. Sie mögen das Kunstwerk. Es ist historisch eng mit dem Wohnviertel verbunden. Viele der heutigen Bewohner leben in Nachbarschaft mit der „Familie“ so lange sie an diesem Ort steht. Sie gehört zu ihnen.

Das ist Margit Schötschels besondere Leistung: Sie ist in ihrer Kunst sehr nah am Leben, nah an den Menschen. „Ich zeige den Menschen, wie er ist.“ So verknappt und direkt brachte sie es auf den Punkt. Damit ist alles gesagt. Die, die sie kannten, wissen von ihrer pragmatischen Art. Sie machte nie viel Aufhebens – weder um sich noch um ihre Kunst. Sie sah sich selbst weniger als Künstlerin viel mehr als „Schaffende“. Welche Kraft und Energie in ihr steckte, das hat vielen Respekt abgefordert. Als Bildhauerin setzte sie auf Zeitlosigkeit. Programmatik war ihre Sache nicht. Als Meisterschülerin von Heinrich Drake blieb die figürliche Plastik lebenslang ihr Thema – der Mensch und die Tierdarstellung.

Margit Schötschel wurde am 26. März 1933 in Berlin-Weißensee geboren. Nach einer Hauswirtschaftslehre und einer Ausbildung zur Kindergärtnerin studierte sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Arno Mohr, Waldemar Grzimek und Heinrich Drake Malerei und Bildhauerei. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bildhauer Friedrich Schötschel, lebte sie seit 1964 als freischaffende Künstlerin in Biesenthal.

Margit Schötschel hat Großes geleistet. Den Menschen in den Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit zu stellen, bedeutete für sie nicht nur, ihn darzustellen. Ihr größter Verdienst ist, mit den Menschen schöpferisch zu arbeiten – mit Menschen, die in der Gesellschaft als benachteiligt gelten. Sie ist die Begründerin der „Kreativen Werkstatt“ Lobetal. Diese feierte im Sommer 2017 ihr 50-jähriges Jubiläum. Das konnte Margit Schötschel noch erleben.

1967 begann sie ihre Arbeit mit behinderten Menschen. Was anfangs eine kleine Werkstatt ohne feste Arbeitsräume war, sollte bald ein kreatives Zentrum mit einem Ruf weit über die regionalen Grenzen hinaus werden. Vielfältige Einzel- und Gruppenausstellungen und nicht zuletzt das unermüdliche Agieren von Margit Schötschel machten die Werkstatt bekannt. Arbeiten, die dort unter der Anleitung der Malerin und Bildhauerin entstanden, sind in die Kunstsammlung Musée du Louvre, Paris aufgenommen worden. Ihrer künstlerischen Pionierleistung ist es zu verdanken, dass sich die kreative Arbeit mit behinderten Menschen in den Lobetaler Einrichtungen fest etabliert hat und die Werkstatt heute eine hoch anerkannte künstlerisch therapeutische Arbeit leisten kann.

1999 richtete Margit Schötschel ein Kunstarchiv ein, in welchem seitdem ausgewählte Bilder und Plastiken aufgenommen, aufbewahrt und öffentlich zugänglich gemacht werden. Sie betreute es bis zu ihrem 75. Lebensjahr. Nicht allein dieser Fakt ist Ausdruck ihrer aktiven Lebenshaltung und ihrer Beharrlichkeit. Das drückte sie in der Direktheit ihrer Worte aus: „Ich bin nicht geschickt, ich bin nur stur und mache so lange, bis es so ist, wie ich es haben möchte“. So wird sie uns in Erinnerung bleiben – klar und eindeutig, dem Leben und den Menschen offen zugewandt.

Sabine Oswald-Göritz

 

Fotomotiv: Margit Schötschel, Familie, Bronze, 1977 (Ausschnitt)

 

KONTAKT
Kulturamt Stadt Bernau bei Berlin
Telefon: (03338) 365-311, E-Mail: kulturamt@bernau-bei-berlin.de

Kunstraum Innenstadt
Alte Goethestraße 3
Telefon (03338) 7068756

ÖFFNUNGSZEITEN
Donnerstag 10–18 Uhr, Samstag 10–16 Uhr, feiertags geschlossen
Ausstellungsbesuche durch Gruppen und Schulklassen nach Vereinbarung

 
 
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