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29. September 2007

INFORMATIONSTAG AM 9. AUGUST 2007 IN BERNAU BEI BERLIN

   

Pressemitteilung der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Außenstelle Frankfurt (Oder)

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Außenstelle Frankfurt (Oder), sind für Sie am Donnerstag,
dem 9. August 2007, mit einem Informationstag im Rathaus Bernau,
Marktplatz 2.

10:00 – 19:00 Persönliche Beratung

Sie können bei Vorlage Ihres Personalausweises einen Antrag auf Akteneinsicht stellen oder sich nach dem Bearbeitungsstand Ihres Antrages erkundigen (bitte Tagebuchnummer mit-bringen). Für spezifische Fragen nehmen wir uns gern Zeit und beraten Sie.
Interessierte können vor Ort Musterakten zu Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) und zu Betroffenen lesen. Kostenfreie Publikationen zu verschiedenen Themen liegen aus und können mitgenommen werden.


17:00 Vortrag Die Arbeit am Feind . . .
Rüdiger Sielaff, BStU

Anschließend findet die Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung statt.


Die Ausstellung kann vom 10. – 31.8.2007 zu folgenden Öffnungszeiten besucht werden:

Mo, Mi, Do 9:00 – 16:00
Di 9:00 – 18:30
Fr 9:00 – 14:00



Zur Ausstellung: Die Arbeit am Feind…

Auf 16 Tafeln sind Informationen über die Arbeitsweise der Staatssicherheit und die daraus resultierenden Folgen für die Menschen in der Region dargestellt. Der Ausstellung wurden Unterlagen zugrunde gelegt, die überwiegend aus dem Archiv der Außenstelle Frankfurt (Oder) stammen. Die Staatssicherheit stützte sich bei ihrer Informationserhebung vor allem auf Inoffi-zielle Mitarbeitern (IM). Dokumente der Zentralen Auswertungs- und Informationsgruppe des MfS geben darüber Aufschluss, dass im Jahr 1986 im Bezirk Frankfurt (Oder) bzw. Cottbus auf 95 bzw. 80 Bürger ein IM zum Einsatz kam. Viele Bürger brachten jedoch aus unterschiedlichen Motiven auch die notwendige Zivilcourage auf und lehnten die inoffizielle Zusammenarbeit ab (Tafel Verweigerte Spitzeldienste).

Das MfS war zugleich geheimer Nachrichtendienst, politische Geheimpolizei und Unter-suchungsorgan. Insbesondere in den 50er Jahren dienten Willkür und Härte in der Justizpolitik der Einschüchterung und Ausschaltung von Regimegegnern (Tafel Politische Prozesse in der Ära Ulbricht und Tafel Der Volksaufstand).

Wer ins Visier des MfS geriet, war einem Apparat ausgeliefert, der über alle nur denkbaren ille-galen Mittel und Methoden verfügte, um auch bis in den letzten Winkel des Privatlebens vor-zudringen.

So wurden beispielsweise von der Stasi verschiedene Tarnvarianten für Observationstechnik entwickelt, um unentdeckt Informationen sammeln zu können. Ein Campinganhänger erregte kein Aufsehen in der DDR, wo Ferienheim- und Hotelplätze als Auszeichnung vergeben wurden. Auch unlackierte Fahrzeugteile waren infolge des Mangels an Ersatzteilen im Straßen-bild keine Seltenheit (Tafel Beobachten und Ermitteln).

Trotz verfassungsmäßig garantiertem Postgeheimnis kontrollierte die Stasi seit 1950 Brief-sendungen, Postkarten, Pakete und Telegramme aus dem Ausland, dem innerdeutschen Post-verkehr genauso wie innerhalb der DDR.

Viele der Antragsteller entdecken heute bei der Akteneinsicht in den vorgelegten Unterlagen Kopien ihrer Postsendungen oder auch Briefe, die niemals angekommen waren (Tafel Post- und Paketkontrolle und Tafel Briefkontrolle).

Banale Anlässe genügten, um die Aufmerksamkeit des MfS zu erregen. Die DDR hatte wenig Interesse an einer freien Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, die nach einem eigenen Weg suchten und zu selbst bestimmten Menschen heranwachsen wollten. Von Januar 1979 bis September 1980 wurde von der Bezirksverwaltung Frankfurt (Oder) eine Gruppe Jugendlicher im Operativen Vorgang „Gruppe” bearbeitet, um eine „feindliche Tätigkeit” einzuschränken. Die Jugendlichen waren aufgefallen, weil sie einer Gruppe angehörten, deren Mitglieder die Richtigkeit der Politik von SED und Regierung bezweifelten. Trafen sich die Freunde, wurden sie aus dem Beobachtungspunkt der Staatssicherheit beim Betreten des Gebäudes fotografiert (Tafel Jugend als Opposition).


Rüdiger Sielaff
Außenstellenleiter

 
 
 
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