einverstanden Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies auf dieser Webseite zu. Weiterführende Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.
Herbstliche_Stadtmauer
startbild_baustelle_var2.gif
 
8. März 2012

„In der Hoffnung auf das Leben gehe ich in den Tod“

Elli Voigt
„In der Hoffnung auf das Leben gehe ich in den Tod“

Gedenken an die Widerstandskämpferin Elli Voigt in Schönow
(Information der Arbeitsgruppe Ortsgeschichte Schönow)

Monika Klautzsch, die Tochter von Elli Voigt, war überwältigt. Dass so viele Menschen kommen würden, um ihre von den Nazis ermordete Mutter zu ehren, hatte sie nicht erwartet. Nach fast 50 Jahren war Monika Klautzsch, die seit langem in Sachsen-Anhalt lebt, wieder in ihren Geburtsort Schönow gekommen, um am 22. Februar 2012 an den 100. Geburtstag ihrer Mutter zu erinnern. Es falle ihr nicht leicht, hier am Ehrenmal für die ermordeten Schönower Widerstandskämpfer zu sprechen, sagte sie. Sie war noch nicht einmal zwei Jahre alt, als ihre Mutter hingerichtet wurde. Aber aus ihren Abschiedsbriefen an die beiden Kinder, an den Ehemann Fritz Voigt und an Eltern und Geschwister wisse sie, wie sehr ihre Mutter das Leben geliebt und sich Sorgen um die beiden Mädchen gemacht habe. Eine so furchtbare Zeit darf sich nie wiederholen, betonte Monika Klautzsch, bevor sie gemeinsam mit vielen Gästen Blumen am Gedenkstein an der Kirche niederlegte.

Auch Bernaus Bürgermeister Hubert Handke ehrte im Namen der Stadt Bernau Elli Voigt mit einem Blumengebinde. Bei der anschließenden Gedenkveranstaltung in der Schönower Kirche, die mit rund 180 Menschen dicht gefüllt war, wurde das Leben Elli Voigts, die nur 32 Jahre alt werden durfte, in bewegenden Worten und Bildern gewürdigt. Hubert Handke erinnerte daran, dass bereits kurz nach dem Krieg 1947 für die mutigen Schönower Bürgerinnen und Bürger, die den Naziwahn bekämpften und diesen Mut mit ihrem Leben bezahlten, ein Gedenkstein an der Kirche errichtet wurde. Alljährlich wird an diesem Denkmal im Januar der Opfer der faschistischen  Barbarei gedacht. 
Hans Coppi, Vorsitzender der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN/BdA), dessen Eltern Hans und Hilde Coppi ebenfalls ermordet wurden, betonte, wie wichtig es sei, den tausendfachen antifaschistischen Widerstand einfacher Arbeiterinnen und Arbeiter nicht zu vergessen. Es komme darauf an, alles zu tun, dass sich nie mehr faschistisches Gedankengut breit machen könne.

In einer DIA-Show wurde mit eindrucksvollen Fotos und Dokumenten das Leben Elli Voigts gewürdigt, die im Schönower Kabelwerk - vormals Schulze & Schneider  -  in einer  Widerstandsgruppe tätig war, die in enger Verbindung zur Berliner Gruppe um Anton Saefkow stand. Elli Voigt hielt die Kontakte zu dieser Gruppe sowie zu sowjetischen, französischen und italienischen Zwangsarbeitern, die in Schönow und Umgebung in Barackenlagern kampierten. Mit Flugblattaktionen versuchten die Frauen und Männer, auf die schnelle Beendigung des Krieges hinzuwirken. Auch die berühmte Flugschrift mit dem Aufruf an die Berliner Arbeiter wurde im April / Mai 1944  im Keller eines Hauses in der  Schönower Kantstraße gedruckt.

Anfang Juli 1944  rollte eine große Verhaftungswelle über Brandenburger und Berliner Widerstandsorganisationen, der auch Elli Voigt zum Opfer fiel. Sie starb im Dezember 1944 in Berlin - Plötzensee unter dem Fallbeil. Ihre kleinen Mädchen wuchsen zunächst bei ihrer Mutter Elvine Garius auf.

An Elli Voigt erinnern nicht nur in Deutschland Denkmale und Straßen,  in einer Gedenkstätte im italienischen Como stehen auf einer Tafel die Worte Elli Voigts im Abschiedsbrief an ihren Mann: „In der Hoffnung auf das Leben gehe ich in den Tod. Ich gehe im Glauben an ein besseres Leben für Euch.“

Der italienische Komponist Luigi Nono vertonte in seinem Chorwerk „Il canto sospeso“ letzte Briefe von europäischen Widerstandskämpfern, darunter auch diesen der Deutschen Elli Voigt. Ein Teil des Chorwerkes erklang auch bei der Veranstaltung in der Schönower Kirche.  Die bekannte Brecht-Interpretin Gina Pietsch, begleitet am Klavier von ihrer Tochter Frauke, gab der Feierstunde mit ihren Liedern einen würdigen Rahmen. Mit dem Lied „Es sind die alten Weisen“  beschloss der Schönower Galeriechor unter Leitung von Wilfried Staufenbiel diese bewegende  Gedenkveranstaltung.



Anne-Katrein Becker
 
 
Suche in Stadtnachrichten
Stadtnachrichten per E-Mail