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6. Dezember 2017

Gedenktafel in Schönow wieder aufgestellt

Grundschule_Schönow_GedenktafelOrtsvorsteherin Adelheid Reimann und die Tochter des Widerstandskämpfers, Edith Pfeiffer, an der Gedenktafel für Wolfgang Knabe. (Foto: Pressestelle)

15 Jahre lang war die Schule in Schönow nach einem Widerstandskämpfer benannt. Dann kam die Wende und die Namenspatenschaft wurde beendet. Seit gestern ist auf dem Gelände der Grundschule Schönow eine Gedenktafel aufgestellt, die wieder an Wolfgang Knabe erinnert.

Im Mittelpunkt der feierlichen Zeremonie stand zweifellos Edith Pfeiffer, die Tochter Knabes. In ihrer Ansprache berichtete sie vom Leben, von der Verhaftung und vom Tod ihres Vaters sowie von der Namenspatenschaft für die Schule zwischen 1975 und 1990. Sie freute sich über die Gedenktafel, die nun wieder an ihren Vater erinnert, aber, wie sie betonte, „nicht nur an ihn, sondern stellvertretend auch an viele andere, deren Namen man nicht kennt, die aber ebenfalls Widerstand geleistet haben und dafür Beruf, Gesundheit oder sogar ihr Leben geopfert haben“, so Edith Pfeiffer.

Bürgermeister André Stahl würdigte ebenfalls das Erbe Knabes und ordnete das Aufstellen der Tafel als kleine Wiedergutmachung ein: „Bei den Umbenennungen der Wendezeit ist man sicher hier und da über das Ziel hinausgeschossen. Nun gibt es wieder einen Erinnerungsort für die, die sich gegen Unrecht und Unterdrückung gestellt haben. Auch dank der unermüdlichen Arbeit der Arbeitsgruppe Ortsgeschichte Schönow.“

Diese hatte in jahrelanger Arbeit alle Fakten zum Leben Knabes zusammengetragen und für die Erinnerung an den Schönower Widerstandskämpfer geworben. Edith Pfeiffer hatte indes noch eine kleine Überraschung parat: Sie übergab der Grundschule etliche Briefe für das Schularchiv. Diese hatten sie und ihre Mutter kurz vor der Namenspatenschaft 1975 von Schülern erhalten, die ihre Gedanken und Empfindungen zum Ausdruck brachten. Auch ein kleines Stück Zeitgeschichte.

Zum Leben Wolfgang Knabes:
Wolfgang Knabe, geboren am 8. Februar 1909, wuchs in einem sozialdemokratischen Elternhaus auf. Seit 1928 in der SPD, ab 1931 in der sozialistischen Abspaltung SAP tätig, kämpfte der gelernte Dreher ab 1933 illegal gegen die NS-Herrschaft. 1936 wurde er erstmals verhaftet und verurteilt, da er zwei untergetauchte SAP-Funktionäre bei sich aufgenommen und ihnen zur Flucht verholfen hatte. Nachdem er die 21-monatige Zuchthausstrafe verbüßt hatte, kam er frei und heiratete er 1940 Hildegard Tegener. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Edith. Nachdem er 1942 erneut einem untergetauchten Widerstandskämpfer, Felix Heymann, Unterschlupf gewährt hatte, wurde er 1943 verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Untersuchungshaft an Tuberkulose erkrankt, befand er sich bei der Verurteilung im Herbst 1943 bereits in stark geschwächtem Zustand. Am 30. November 1943 starb Wolfgang Knabe in Lazarett des Untersuchungsgefängnisses in Berlin-Moabit an seiner Krankheit.

 
 
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