Internatsgebäude_BBB_bearbeitet
Herbstliche_Stadtmauer
 
21. November 2017

Bauhaus Denkmal Bernau: Ein Festakt zum Geburtstag

Festakt_Bauhaus_Denkmal_UrkundenübergabeBei der Übergabe der Ernennungsurkunden (v.l.n.r.): Staatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger (Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt), Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (Auswärtiges Amt), Staatssekretärin Dr. Ulrike Gutheil (Ministerium für Wissenschaft, Forschung Kultur des Landes Brandenburg) und Staatssekretärin Dr. Babette Winter (Staatskanzlei des Landes Thüringen). (Foto: Pressestelle) (Bild: 1/2)

Seit Juli ist das Bauhaus Denkmal Bernau auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste zu finden. Am Samstag überreichte Staatsministerin Maria Böhmer die Ernennungsurkunde bei einem feierlichen Festakt in den Räumen des 1930 fertiggestellten Gebäudekomplexes. Genau 128 Jahre zuvor wurde dessen Architekt, Hannes Meyer, in Basel geboren.

Nun ist es also offiziell: Mit der Auszeichnung gehört die ehemalige Gewerkschaftshochschule zu den anerkannten, architektonischen Glanzlichtern der Bauhaus-Ära. Zur Festveranstaltung eingeladen hatten die Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsam mit der Stadt Bernau, der Stiftung Bauhaus Dessau, der Wohnungsbaugenossenschaft Dessau sowie der Handwerkskammer Berlin.

Die Zukunft der unter der Leitung von Hannes Meyer und Hans Wittwer entstandenen Bildungsstätte war nach der Wende zunächst ungewiss. Nach einer umfassenden Sanierung dient sie seit einigen Jahren als Internat für das „Bildungs- und Innovationszentrum“ der Berliner Handwerkskammer. „Damit hat der damalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Hans-Dieter Blaese Weitsicht bewiesen“, wie Stephan Schwarz, Vorsitzender der Handwerkskammer Berlin, erinnerte.

André Stahl äußerte sich in der Danksagung zur wunderlichen Ironie der Geschichte, die „eine ehemalige Bildungsstätte der Arbeitnehmer über Umwege zur Bildungsstätte der Arbeitgeber“ gemacht habe. Die Stadt plane für das Bauhaus Denkmal ein angemessenes und würdiges Besucherzentrum – über die Finanzierung desselben mache er sich, der Auszeichnung und ihrer Strahlkraft sei Dank, keine Sorgen.

Gunnar Schellenberger, Staatssekretär aus der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, würdigte den vor genau 128 Jahren geborenen Architekten Hannes Meyer und dessen Werk in Bernau. Dieses sei als Geschenk zu begreifen, welches gepflegt werden will und für zukünftige Generationen zu erhalten ist.

Staatssekretärin Ulrike Gutheil vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg freute sich über die dritte UNESCO-Welterbestätte des Landes und die großzügige Unterstützung durch den Bund. Sie fuhr fort: „Ich bin schon gespannt auf den Moment, wenn die Sanierung der Außenanlagen abgeschlossen sein wird und das Bauhaus Denkmal in ursprünglicher Umgebung zu sehen ist. Dann kommt die Genialität dieses Baus vollends zur Geltung.“ Außerdem zeigte sie sich zuversichtlich, das geplante Besucherzentrum künftig gemeinsam mit der Stadt Bernau zu betreiben – ein echtes Bekenntnis zu diesem Kulturstandort.

Ihre Thüringer Kollegin von der Staatskanzlei des Landes Thüringen, Staatssekretärin Babette Winter, hob hervor, dass das Bauhaus weniger eine Architektur- und Kunstrichtung, als vielmehr Idee und Haltung sei. Die Protagonisten der damaligen Epoche mussten ob der Widerstände, die ihnen entgegenschlugen, feststellen, dass ihre Arbeit aus „90 Prozent Kampf und nur 10 Prozent Kunst“ bestanden hätte.

Wie konsequent Meyers Architektur an den Menschen und ihren Bedürfnissen ausgerichtet ist, konnte Nicky Meißner, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Dessau, nur bestätigen: „Seit über 90 Jahren sind unsere Bauhaus-Wohnungen in genossenschaftlicher Hand, durchgängig bewohnt und sehr beliebt“, so seine Erfahrungen. Die Laubenganghäuser in Dessau-Törten waren im Juli gleichzeitig mit dem Bauhaus Denkmal Bernau von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden.

Damit näherte sich die Festveranstaltung ihrem Höhepunkt: der Übergabe der Ernennungsurkunden. In ihrer Laudatio hob Staatsministerin Maria Böhmer (Auswärtiges Amt) hervor, wie durchdacht Meyer und Wittwer die Bundesschule konzipierten: „Das ganze Ensemble folgt einem ganzheitlichen Konzept. Es ermöglicht konzentriertes Lernen ebenso wie Freizeit und Erholung, fügt sich ganz natürlich in die Umgebung ein und vor allem transportiert es ein Lebensgefühl, das nach vorne schaut. Das Ziel der Architekten war es, Wohnungen und Funktionsgebäude für die zu schaffen, die bislang beengt gelebt hatten. Von der Bauhaus-Idee gingen soziale und gesellschaftliche Impulse aus“, so Böhmer.

Auf diese Impulse bezog sich auch Andreas Schwarting in seinem Fachvortrag „Das Bauhaus als UNSECO-Welterbestätte“. Die Bauhaus-Ära lasse sich in Phasen unterteilen: Zwischen dem so genannten „weißen“ Bauhausstil unter Walter Gropius und der „schwarzen“ Richtung unter Ludwig Mies van der Rohe, sei auch eine „rote“ Phase unter Hannes Meyer zu erkennen. Sind die beiden ersten Phasen durch die verwendeten Baumaterialien zu ihrem Namen gekommen, so ist „rotes Bauhaus“ ausdrücklich politisch zu verstehen. Mit der Aufnahme in die Welterbeliste würde das Werk Meyers ein Stück weit rehabilitiert und stärker bewusst gemacht und damit auch die Maxime, nach der Meyer gebaut habe: „Der Wert eines Gebäudes bemisst sich aus dem Leben, das sich darin abspielt.“

Auch Architekt Winfried Brenne, einer der an der Renovierung des Bauhaus Denkmals maßgeblich beteiligten Architekten, lobte die Natürlichkeit des Gebäudes, das Bedürfnisse und Handlungen der Menschen in den Mittelpunkt stellt, die darin leben. Nicht umsonst sei dieser Komplex auch heute noch ein Ort des Lernens.

Dass das Bauhaus Denkmal Bernau nun zum Weltkulturerbe gehört, ist verschiedenen Persönlichkeiten und Institutionen zu verdanken: zuallererst den Architekten Hannes Meyer und Hans Wittwer, die die Bauhaus-Idee konsequent umsetzten. Dann aber auch dem Land Brandenburg, das die Sanierung des Gebäudes mit mehreren Millionen Euro unterstützte sowie dem Bund, der die derzeitige Sanierung der Außenanlagen und den Bau eines Besucherzentrums mit insgesamt fast 1,9 Millionen Euro finanziert. Auch die Handwerkskammer Berlin als Eigentümerin des Bauhaus Denkmals hat ihren Anteil an der Rettung dieses Kulturerbes. Und nicht zuletzt der Verein „baudenkmal bundesschule bernau“: Dessen Mitglieder haben in zahlreichen Führungen, wissenschaftlichen Schriften und unermüdlicher Öffentlichkeitsarbeit viele Jahre auf die Bedeutung des Meyer-Wittwer-Baus aufmerksam gemacht und so den Boden für die UNESCO-Auszeichnung bereitet.

 
 
Suche in Stadtnachrichten
Stadtnachrichten per E-Mail