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5. Oktober 2015

25 bewegte Jahre und wieder eine bewegende Zeit

3. OktoberPassend zum Tag: Mit der Titelmusik aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ eröffnete das Orchester des Paulus-Praetorius-Gymnasiums die Festveranstaltung (Fotos: Pressestelle/André Ullmann) (Bild: 1/2)

Ironie der Geschichte: Da, wo vor der Wende Erich Honecker zu Hause war, feierten Bernauerinnen und Bernauer am 3. Oktober „25 Jahre deutsche Einheit“. Mehr als hundert Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren der Einladung von Bürgermeister André Stahl zu der Festveranstaltung in der Waldsiedlung gefolgt.

„Jeder hier hat seine ganz persönlichen Erinnerungen, Gefühle und Einstellungen, die er mit dem Tag bzw. den Wendejahren insgesamt verbindet“, ist er sich sicher. Als 18-Jähriger verfolgte André Stahl die Pressekonferenz am 9. November 1989, auf der Günter Schabowski quasi die unverzügliche Reisefreiheit für DDR-Bürger verkündete. Für ihn war das eine extrem spannende Zeit mit rasenden Veränderungen. „Ich hatte das Gefühl, Teil eines großen Prozesses zu sein. Mittendrin.“

Die Nachwendezeit war schwierig, sind doch auch in Bernau de facto alle großen Arbeitgeber weggefallen. Ohne berufliche Umorientierung ging es oftmals nicht weiter. Nach einem Vierteljahrhundert fällt für den Bürgermeister die Rückschau jedoch erfreulich aus: So wie viele ehemalige DDR-Bürger sich einen neuen Platz in der Gesellschaft erarbeitet haben, so hat Bernau eine positive Entwicklung genommen. Heute, resümiert das Stadtoberhaupt, sei Bernau ein Ort, an dem es sich modern wohnen und angenehm leben lässt. Der stetige Zuwachs auf inzwischen mehr als 38 000 Einwohner ist ein eindeutiger Beleg dafür. In Bernau konnten neue Arbeitgeber angesiedelt, Gewerbegebiete entwickelt und die Verkehrsinfrastruktur verbessert werden. Die Arbeitslosenquote betrug im September nur 5,1 Prozent und war damit so niedrig wie in keinem anderen Bezirk der Agentur für Arbeit Eberswalde.

In einer Bildershow konnten die Gäste die Entwicklung Bernaus anschaulich verfolgen und waren auch sichtlich beeindruckt, als sie auf die Ansichten von einst und jetzt schauten. Die Wiedervereinigung hat Bernau offensichtlich gut getan.

Nicht verhehlen möchte der Bürgermeister jedoch, dass die Stadt 25 bewegte Jahre nach der Wiedervereinigung vor weiteren Herausforderungen steht. So müsse der Wohnungsbau strukturiert vorangetrieben, die Verkehrsproblematik in der Innenstadt gelöst, die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs gesteigert und der Standard der sozialen Infrastruktur gehalten werden. Das alles – und auch die Integration von Flüchtlingen – stehe auf der Agenda.

Ein großes Kompliment an „seinen“ Landkreis machte Landrat Bodo Ihrke: „Der Barnim ist der schönste Landkreis – mindestens in Brandenburg.“ Rückblickend auf die Wendezeit war für ihn das Wichtigste, „dass wir unsere Freiheit errungen haben“. Und die wichtigste Erfahrung aus den 25 Jahren sei, „dass man sich aus schwierigen Situationen herausarbeiten kann“. Den alten Bundesländern dankte er für ihre Solidarität. Heute sei Solidarität gegenüber den Flüchtlingen gefragt. In vielen Ländern hätten die Menschen nur noch die Freiheit zu flüchten.

Dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov erinnerte daran, wie Tausende und Abertausende DDR-Bürger geflüchtet sind. „Vor allem junge Menschen, die für sich keine Zukunft mehr gesehen haben, die das Gefühl hatten, nichts mehr verändern zu können. Damals seien Welten zusammengetroffen und „Dinge über uns hereingebrochen, die wir so nie erwartet hätten, in einer Geschwindigkeit, die wir so nie erwartet hätten“. Die Grenzen seien überrannt worden, man könne Menschen nicht aussperren.

Markov verwies immer wieder auf die Parallelen zu heute. In dem Moment, wo Menschen die Hoffnung verlören und Angst vor den Regierungen in ihren Ländern hätten, würden sie sich auf den Weg begeben. Da schrecke sie auch kein Meer ab. Insofern habe Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Agieren in der Flüchtlingskrise Weitsicht gezeigt. Ja, so Markow, sie hat Recht: „Wir schaffen das! Nicht sofort, aber ja.“ Der Grundgedanke der Solidarität – Der Stärkere helfe dem Schwächeren, einer trage des anderen Last – müsse der Grundkonsens in der Gesellschaft bleiben.

Auch der Minister erinnerte in seinem Rückblick an die Hilfe aus der alten Bundesrepublik. In anderen osteuropäischen Staaten hätten es die Menschen viel schwerer gehabt. Allerdings habe sich die Hoffnung, die Arbeitsplätze zu erhalten, für viele nicht erfüllt. Bald jeden Tag sei ein Betrieb geschlossen worden, habe es Streiks gegeben. 1,3 Millionen Menschen seien in den Westteil gegangen, wegen der Arbeitsplätze und um eine sichere Zukunft für ihre Kinder zu haben. Bei allen Problemen, die es gab und auch Fehlern, die gemacht worden seien, steht für Markov jedoch fest: „Ja, es ist schön geworden“. Wenn es die Struktur der DDR noch gäbe, wären viele Häuser, die heute schön seien, nicht mehr existent und auch die Straßen in einem maroden Zustand. Zustimmendes Nicken war dem Minister sicher.

Am Rande der Festveranstaltung verriet übrigens der ehemalige Ärztliche Leiter der Brandenburgklinik Dr. Hasso Behr noch, wie der 3. Oktober zum Tag der deutschen Einheit wurde. „Der Kohl hat mir damals gesagt, er habe beim meteorologischen Dienst nachgefragt, an welchem Tag im Oktober statistisch gesehen immer schönes Wetter ist. So kam er auf den 3. Oktober.“ Und die Entscheidung war clever: Auch am 3. Oktober 2015 schien die Sonne.

Pressestelle/Cornelia Fülling

Extrablatt_zum_25-jährigen_Jubiläum_der_Dt_Einheit
extrablatt_2015_web.pdf (8,85 MB)

 
 
 
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