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Börnicke

Dorfkirche BoernickeDorfkirche Börnicke (Bild: 1/2)

Börnicke liegt südöstlich von Bernau bei Berlin und ist seit 2003 ein Ortsteil der Stadt. Im Dorf leben gegenwärtig 546 Einwohner (Stand: 4. Januar 2016).

Das historisch gewachsene Dorf liegt in einer Senke. Erst als 1871 der Eichbuschteich zur Panke nach Bernau drainiert wurde, konnte der Schlosspark angelegt werden. Das Schloss und der Park, die Kirche mit dem Kirchhof, der Dorfteich, die Baum- alleen, einzelne Bauerngehöfte, Landarbeiter- häuser verschiedener Epochen, vorwiegend in Backstein errichtet, die Lückenbebauung am Dorfteich sowie das Neubauerndorf mit den vielen Neubauten, die nach der Wende entstanden sind, bestimmen die Struktur des Dorfes. Das Angerdorf Börnicke wird erstmals in einer Urkunde von 1300 erwähnt.

Kirche
Aus dieser Zeit stammt ein Teil der Kirche, des bedeutendsten Bauwerks des Dorfes. Der spätromanische Granitquaderbau entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Nach heutigen Erkenntnissen hat die Fertigstellung Jahrzehnte in Anspruch genommen. Führungen durch die Kirche werden an jedem ersten Sonntag im Monat nach dem Gottesdienst von 10 bis 12 Uhr angeboten. In der übrigen Zeit sind Führungen nach telefonischer Vereinbarung unter 03338 70220 (Küsterei der St.-Marien-Kirche) möglich.

Entwicklung des Gutes
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Ort wüst. Der Obrist Wolmir von Wrangel, Kommandeur der Kurfürstlichen Leibgarde zu Berlin, erwarb das Gut im Jahre 1679. Er begann, die Hüfner– und Kossätenstellen wieder zu besetzen. Dieses gelang nicht für alle ehemaligen Höfe.

Als Patron der Kirche ließ er auf das Gestühl im Altarraum Apostelbilder malen, die heute noch erhalten und in ihrer Art in Brandenburg selten sind. Der Maler ist unbekannt. Die übrige Einrichtung sowie die Fensterdurchbrüche stammen aus dem Jahr 1883.

Wrangel sorgte auch dafür, dass auf dem Anger in einem Fachwerkbau zwischen Kirche und Hirtenhaus die Dorfkinder unterrichtet wurden.

Hier steht vor dem Haus Dorfstraße 3 die Gerichtslinde, unter der sich der Gutsherr bei den Erntefesten „freikaufen“ musste. Dies mag auch der Platz gewesen sein, an dem einst die Dorfbewohner — wie in der Kirchenchronik erwähnt — vom Patronatsbeauftragten befragt wurden, ob sie Beschwerden hätten. Das Gut wurde zum Rittergut. Dieses ermöglichte dem Besitzer die „Landtagsfähigkeit“, die einen Sitz in der preußischen Adelskammer bedeutete.

Ernst Mendelssohn Bartholdy
Bis 1892 der Kommerzienrat, Generalkonsul und wirkliche geheime Rat Ernst Mendelssohn Bartholdy das Gut erwarb, hatte dieses mehrmals den Besitzer gewechselt. Der Besitzer einer Berliner Privatbank war der Urenkel des Philosophen Moses Mendelssohn und Neffe des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Familie wurde 1896 geadelt. Paul, der Sohn des Ernst von Mendelssohn Bartholdy, ließ das Schloss vor dem ersten Weltkrieg von dem Architekten Bruno Paul umbauen. Der Architekt gestaltete auch die Innenräume und den Park. Er verband ausgezeichnet die Architektur des Schlosses mit Kunst und Natur. Da die Familie Mendelssohn Bartholdy evangelischen Glaubens war, nahm sie auch das Patronat für die Dorfkirche wahr. Paul starb 1935 kinderlos. Das Familiengrab von Ernst, Marie und Paul von Mendelssohn Bartholdy befindet sich am Kirchturm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich unterschiedliche Einrichtungen im Schloss. Von 1967 bis 1992 diente es als Kindergarten, Schule und Internat für körperbehinderte Kinder. Hierzu waren Veränderungen der Innenräume notwendig.

Vorwerke
Zum Dorf Börnicke gehören zwei Vorwerke. Das Vorwerk „Thaerfelde“ ließ der Landesökonomierat Albrecht Philipp Thaer von 1840 bis 1842 für seine Schafzucht erbauen. Er war der Sohn des Begründers der Landwirtschaftswissenschaften Albrecht Daniel Thaer und wurde „Wollthaer“ genannt. Ein Soll in der Nähe heißt „Schafwäsche“. Das Vorwerk Helenenau erhielt seinen Namen nach Frau und Tochter des damaligen Besitzers Otto Franz Theodor Hosemann. Er hatte des Gut 1861 von seinem Schwiegervater Simon in Malchow als Hochzeitsgeschenk erhalten. Henriette Helene Wilhelmine und Tochter Helene Auguste starben 1871 in einer Berliner Klinik im Kindbett. Der Dorffriedhof wurde erweitert und eine Lindenallee führt zu ihrem Grabstein (Obelisk).

Das idyllisch gelegene Helenenau diente der Aufzucht des Jungviehs. Es war aber auch für den Gutsherrn und seine Gäste Ausgangspunkt für die Jagd. Nach 1974 wurde der Teich ausgebaut und das Objekt von der Staatssicherheit genutzt. Heute befinden sich auf dem Gelände eine Reithalle, Stallungen für Pensionspferde, Unterkünfte für Reiter und Gäste, die Gaststätte Reithof mit Rübenkeller und Schafstall, ein Bowlinghaus, eine Bogensportanlage sowie eine Vielzahl von Freizeitmöglichkeiten.

Heute
Der Verein „KulturGut e. V. Börnicke“ fördert die kulturelle Entwicklung im Dorf und führt Kino- veranstaltungen, Workshops und Adventsmärkte am Dorfteich durch. Alljährlich im Mai findet das beliebte Storchenfest statt. Seit 1958 sind aus dem Nest auf dem Schornstein der Brennerei 88 Jungstörche geschlüpft und flügge geworden.

Anfang des Jahres 2003 hat sich der Förderverein Schloss und Gutshof Börnicke e. V. gegründet. Er entwickelt den Nutzungsplan für das Schloss, den Gutshof und den Park. Auf dem Gutshof haben sich ein Kunstschmied, ein Tischler und zwei Kunstmaler etabliert. Vom Bahnhof Bernau nach Börnicke führen Rad– und Wanderwege in die Barnimer Feldmark.

Das Dorf ist Mitglied im Regionalpark Barnimer Feldmark.

 

Text: Ulrich Ewert